Campfire Tales - Geschichten am Lagerfeuer
Die Legende von Nimba, dem Unsterblichen
Vor langer Zeit, so erzählt man sich, gab es im fernen Vinland ein kleines Königreich. Die Königsfamilie war sehr reich, aber auch gut und gerecht. Nimba, der einzigste Nachkomme sollte die Zukunft der Dynastie sichern, und wurde deshalb von seiner Mutter Brinhild und seinem Vater Thorstein mit besonderer Strenge und eiserner Hand erzogen.
Nimba jedoch fühlte sich zu jung zum regieren, und hatte kein Interesse an Macht oder Ruhm. Er war einsam und fühlte sich von aller Welt unverstanden und gehasst. Überall aus dem Land kamen Narren und Gaukler herbei, weil sie den Königssohn wenigstens einmal lachen sehen wollten. Aber vergeblich.
Brinhild und Thorstein waren sehr unzufrieden mit ihrem Sposs, sollte er doch einmal König werden und das Land gut und gerecht regieren. Statt sich um seine Ausbildung zum Regenten zu kümmern träumte Nimba lieber vor sich hin, war stets traurig und offenbahrte schließlich seinen Wunsch:
"Ich will einen Freund. Einen Bruder, einen Gefährten."
Doch seine Eltern konnten noch so viele Diener, Gaukler, Possenreißer oder Narren herbeiholen: Nimba war nie glücklich und zufrieden zu stimmen.
Eines Nachts wurde der junge Königssohn, er war in seinem 14. Lebensjahr, von Räubern entführt. Sie wollten Geld für sein Leben von der Königsfamilie erpressen.
Ratin, der Sohn des Anführers der Räuber, der genauso alt war wie Nimba, hatte jedoch Mitleid mit dem jungen, zierlichen Elfen mit den weißen Haaren und schenkte ihm des Nachts heimlich die Freiheit.
Von diesem Augenblick wusste Nimba, wer sein Freund, sein Bruder, sein Gefährte werden sollte: Ratin, der Räubersohn.
So begab sich Nimba, nach langer Suche, zu einem namenlosen Druiden, der einsam in den Wäldern wohnte, und bat ihm um einen Zauber, mit dem er Ratin an sich binden könne.
"Es gibt eine Möglichkeit, wie Du ein Wesen an Dich binden kannst.", sprach der Druide.
"Aber wähle Dein Schicksal weise, denn für den Zauber der bedingungslose Hingabe wirst Du niemals altern, niemals König werden können, niemals sterben. Der Weg in die Walhalla wird Dir auf ewig verwehrt werden."
Nimba dachte nicht lange darüber nach, und willigte ein.
"Ich wollte sowieso nie König werden, und erwachsen werden will ich auch nicht."
Und so kam es, dass der Druide dem Königssohn ein Schwert überreichte.
"Töte damit bei Vollmond den weißen Elch, der am Ufer des Kristallsees lebt und denke dabei an jene Person, die Du an Dich binden willst. Dann wird der Zauber Dich und Deine Liebe unsterblich machen."
Nimba, der junge Elf und Königssohn tat, wie ihm geheißen. Er tötete den weißen Elch bei Vollmond, und als er ihm mit dem Schwert den Kopf abschlug färbte sich das Wasser des Kristallsees rot, und Blitze und Feuer regneten vom Himmel und durchzuckten Nimbas Körper.
Am nächsten Morgen stand Ratin vor den Toren des Schlosses und fiel Nimba sofort um den Hals.
"Jetzt habe ich einen Freund, einen Bruder, einen Gefährten!", rief Nimba überglücklich. "Endlich, endlich, endlich!"
Doch der Segen der Unsterblichkeit entpuppte sich als Fluch, denn während Nimba der ewige Jüngling blieb, verlor er zuerst seine Eltern, dann seinen Rang als Prinz, das Schloss als Heimat und schließlich auch Ratin, der in den jugendlichen Armen Nimbas als weißhaariger Greis starb.
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